Volkswirtschaftslehre

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Seit Wintersemester 2006/07 werden für Studienanfänger nur noch die Bachelor- Studiengänge angeboten. Die Zulassung zu Diplom-Studiengängen erfolgt nur noch in höheren Semestern.

Die Bachelor-Studiengänge des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften

 

1 Vorbemerkungen

An der WiSo-Fakultät in Nürnberg unterscheiden sich die verschiedenen Diplomstudiengänge BWL, IntBWL, VWL, IntVWL, WI und WiPäd hinsichtlich des Grundstudiums nur wenig, so dass sich eine ausführliche Darstellung an dieser Stelle erübrigt. Nennenswerte Wahlmöglichkeiten ergeben sich für alle Fächer ohnehin erst im Hauptstudium. Als Orientierungshilfe soll hier deshalb zunächst ein Überblick über Motivation und Lehrinhalte im VWL-Hauptstudium gegeben werden.

2 Warum VWL studieren?

Ein Studium der Volkswirtschaftslehre ist vor allem für Studierende interessant, die gesellschaftliches Engagement, Interesse für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge und ein hohes Maß an analytischer Denkfähigkeit zu ihren Eigenschaften zählen. Noch stärker als im Fach BWL tritt bei der VWL die Mathematik als Hilfswissenschaft in den Vordergrund. An der WiSo-Fakultät in Nürnberg kann VWL in zahlreichen "Varianten" studiert werden, so dass eine Vielzahl möglicher Berufsfelder abgedeckt werden kann.

Obwohl der Stellenmarkt für Volkswirte quantitativ wesentlich kleiner als für Kaufleute ist und das Bewerber-Stellen-Verhältnis ungünstiger ausfällt, gibt es für Diplomvolkswirte zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten. Dies macht eine gewisse Spezialisierung erforderlich, die die Fächerwahl im Hauptstudium entscheidend beeinflusst.

Verwendung finden Volkswirte in den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Industrie und der großen Dienstleistungsunternehmen, im öffentlichen Dienst, also bei Kommunen und Ministerien, in Verbänden und Kammern, in der Forschung bei Wirtschaftsforschungsinstituten und Universitäten sowie bei Unternehmensberatungsgesellschaften. Je nach Ausrichtung des Studiums treten sie beispielsweise bei Banken oder in der Marktforschung auch in unmittelbare Konkurrenz zu Diplom-Kaufleuten.

3 Alternativen im Hauptstudium

Im Rahmen der Diplomprüfung im Fach Volkswirtschaftslehre müssen laut Prüfungsordnung (PO) schriftliche und mündliche Prüfungen in folgenden Fächern absolviert werden:

  1. Volkswirtschaftstheorie
  2. Wirtschaftspolitik
  3. Finanzwissenschaft
  4. Allgemeine Betriebswirtschaftslehre
  5. Pflichtwahlfach

Daneben ist in einem dieser fünf Fächer eine Diplomarbeit anzufertigen (Bearbeitungszeit: 6 Monate).

3.1 Volkswirtschaftstheorie:

Dieses Fach kann in Nürnberg bei zwei Prüfern (z. Zt. Prof. Harbrecht und Prof.
Reichel in Vertretung) studiert werden. Beide Lehrstühle decken die
Kernbereiche der VWL-Theorie (Mikroökonomik, Geldtheorie,
Außenwirtschaftstheorie, Wachstums- und Entwicklungstheorie) ab, setzen aber
unterschiedliche Schwerpunkte, die sich auch in den Forschungsaktivitäten
der Lehrstühle niederschlagen. Während der Lehrstuhl Prof. Wambach
Schwerpunkte in den Bereichen Spieltheorie und Industrieökonomik setzt,
beschäftigt sich der Lehrstuhl Prof. Harbrecht vor allem mit den
Schwerpunkten "Europäische Integration" und "Internationale
Wirtschaftsbeziehungen".

3.2 Wirtschaftspolitik:

Das Fach "Wirtschaftspolitik" wird in Nürnberg ebenfalls von zwei Lehrstühlen angeboten. Die Studierenden müssen also, ebenso wie im Fach "Volkswirtschaftstheorie", zu Beginn des Hauptstudiums eine Wahl zwischen den beiden Lehrstühlen treffen. Auch bei diesen Lehrstühlen weichen Lehrangebot und Forschungsschwerpunkte voneinander ab, so dass die Studierenden eine Auswahl entsprechend ihrer Neigungen treffen können. Die wirtschaftspolitische Schwerpunktsetzung des Lehrstuhls von Prof. Schnabel liegt in den Bereichen Arbeitsmarkt- und Regionalpolitik, Prof. Lachmann widmet sich insbesondere der Entwicklungspolitik, der Wirtschaftsordnungspolitik sowie der Wirtschaftsethik.

3.3 Finanzwissenschaft:

Gegenstand der Finanzwissenschaft sind die Theorie und Politik der öffentlichen oder Staatswirtschaft und deren Wechselbeziehungen zur Marktwirtschaft. Die Finanzwissenschaft will das Angebot, die Verteilung und die Finanzierung öffentlicher Güter und Dienste analytisch erklären und effizient gestalten sowie die mikro- und makroökonomischen Wirkungen staatlichen Handelns untersuchen.
Das Fach "Finanzwissenschaft" als drittes Pflichtfach für Volkswirte wird in Nürnberg allein vom Lehrstuhl Prof. Dr. Thiess Büttner angeboten. Es besteht hier also keine Wahlmöglichkeit. Von Nichtvolkswirten kann das Fach "Finanzwissenschaft" als Pflichtwahlfach gewählt werden (dann ist jedoch Prof. Dr. Thiess Büttner nicht als Prüfer im Fach "Allgemeine VWL" wählbar).

 

3.4 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre:

Volkswirte müssen sich im Diplomexamen im Fach "Allgemeine BWL" bei zwei unterschiedlichen Professoren prüfen lassen. Den angehenden Volkswirten stehen hier eine Reihe von Lehrstühlen zur Auswahl, wobei nicht alle BWL-Lehrstühle Veranstaltungen zur "Allgemeinen BWL" anbieten. Als dritte examensrelevante Leistung kommt die Teilnahme an einem Unternehmensplanspiel mit Prüfung zu den Planspielinhalten hinzu.

3.5 Pflichtwahlfach:

Der Studiengang "Volkswirtschaftslehre" sieht im Gegensatz zum BWL-Studium nur ein Pflichtwahlfach vor. Insofern ist die Auswahl aus dem äusserst reichhaltigen Angebot besonders schwer. Zur Orientierung deshalb die folgenden Hinweise:

  • Ausschlaggebend für die Wahl des Wahlfachs sollte die persönliche Neigung und die spätere berufliche Orientierung sein.
  • Entstammt das Pflichtwahlfach der Betriebswirtschaftslehre, so bietet sich eine sinnvolle Kombination mit dem Fach "Allgemeine BWL" an.

Prinzipiell stellt sich für den Volkswirt die Frage, ob man sich "ganz auf VWL konzentrieren" sollte, oder ob der Fächerkanon breiter sortiert sein sollte. Für ein "reines" VWL-Studium bieten sich vor allem folgende Wahlfächer an:

  • Statistik und/oder Ökonometrie (vgl. hierzu die Fachalternativen der Lehrstühle Riphahn und Klein)
  • Arbeitsmarkt- und Personalökonomik
  • Entwicklungspolitik
  • Auslandwissenschaft oder Internationale Wirtschaft

Ein solche Schwerpunktsetzung ermöglicht eine optimale Spezialisierung auf die klassischen Tätigkeitsfelder von Volkswirten. Wünscht man eine stärkere Einbeziehung der Nachbardisziplin BWL, so kommen vor allem einige der speziellen Betriebswirtschaftslehren als Wahlfächer infrage, so z. B.:

  • Unternehmensführung
  • Industriebetriebslehre
  • Bank- und Börsenwesen

Insbesondere Studierende, die vor Beginn ihres Studiums bereits eine Lehre absolviert haben und die an eine spätere Rückkehr in ihr Ausbildungsunternehmen oder die entsprechende Branche denken, wählen oft ein solch BWL-orientiertes VWL-Studium. Sinnvollerweise sollte eine entsprechende Auswahl des Wahlfachs mit dem Besuch ergänzender Veranstaltungen in der Allgemeinen BWL verbunden werden.

Volkswirte benötigen nach der Prüfungsordnung kein Praktikum, sollten aber dennoch freiwillige Praktika leisten.

Warum VWL als Bestandteil der Diplomprüfung für Nichtvolkswirte?

Auch Nichtvolkswirte müssen sich nach der Prüfungsordnung das Fach "Allgemeine VWL" ablegen. Dafür ergeben sich in Nürnberg besonders vielfältige Wahlmöglichkeiten, da zwei Prüfer aus den insgesamt fünf Lehrstuhlinhabern frei auswählbar sind. Dabei bietet es sich für Nichtvolkswirte evtl. an, an den Nahtstellen von VWL und BWL Synergieeffekte verschiedener Vorlesungen zu nutzen (z.B. Kapitalmarkttheorie, Genossenschaftswesen).

In einer zunehmend globalisierten Umwelt wird die Kenntnis volkswirtschaftlicher Zusammenhänge für den Diplom-Kaufmann immer wichtiger. Standortentscheidungen, Konjunktur- und Absatzprognosen, Analyse des Wettbewerbsverhaltens neuer Konkurrenten, Arbeitsmarktentwicklungen, die Steuerpolitik im In- und Ausland, die Erschließung neuer Märkte, die Determinanten der Wechselkursentwicklung sowie die Zusammenhänge zwischen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und den Vorgängen am Kapitalmarkt sind nur einige Beispiele für die Relevanz einer fundierten volkswirtschaftlichen Ausbildung für betriebswirtschaftliche Entscheidungen.

Die Nürnberger VWL-Lehrstühle geben mit ihrem reichhaltigen Lehrangebot den Absolventen das Rüstzeug an die Hand, sich ein eigenes fundiertes Urteil über gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge zu bilden. Sie tragen so dazu bei, die Informationsgrundlage für betriebliche Entscheidungen zu verbessern.